
Floor van Oers
Floor van Oers
25 Juni 2026
Immer mehr Unternehmen werden von Kunden, Auftraggebern oder Partnern in der Lieferkette mit derselben Frage konfrontiert: „Sind Sie SBTi-konform?“ Während dies vor einigen Jahren noch hauptsächlich ein Thema für große, internationale Konzerne war, beobachten wir nun, dass sich SBTi rasch zu einem neuen Standard entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt.
Gleichzeitig wirft dies aber auch Fragen auf. Denn was genau ist SBTi konkret? Ist es ein Zertifikat, ein Gütesiegel oder in erster Linie eine Arbeitsweise? Und ebenso wichtig: Welche Vorteile bietet es Ihrem Unternehmen, abgesehen von der Erfüllung von Kundenanforderungen? In diesem Artikel werden wir uns die verschiedenen Komponenten der SBTi genauer ansehen und erläutern, worauf der Schwerpunkt zu Beginn liegen sollte.
Kürzlich wurde zudem der SBTi Corporate Net-Zero Standard, Version 2, veröffentlicht. 2BHonest veranstaltet am 23. September 2026 einen Nachhaltigkeitsdialog zu diesem Thema. Bitte melden Sie Ihr Interesse über diesen Link an, um eine Einladung zu erhalten.
Die SBTi (Science Based Targets Initiative) ist keine einmalige Zertifizierung oder kostenpflichtige Mitgliedschaft, sondern eine Methodik mit einem dazugehörigen Validierungsprozess. Sie hilft Unternehmen dabei, ihre Emissionen im Einklang mit den Erkenntnissen der Klimawissenschaft zu reduzieren (z. B. Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C). Man legt Ziele auf der Grundlage wissenschaftlicher Szenarien fest und lässt diese anschließend von der SBTi prüfen. Damit handelt es sich nicht nur um eine Absichtserklärung, sondern um einen konkreten und extern validierten Reduktionspfad, der von einer unabhängigen Organisation überprüft wurde.
In diesem Artikel erläutern wir den aktuellen Net-Zero-Standard (V1.3.1) auf praxisnahe Weise. Dabei konzentrieren wir uns auf die vier Bausteine, die den Kern der SBTi bilden: Daten, Ziele, Übergangsplan und Kommunikation. So erhalten Sie schnell einen Einblick darin, was von Unternehmen erwartet wird und was es bedeutet, wenn Sie damit beginnen möchten. In den folgenden Artikeln dieser Reihe zur SBTi werden wir außerdem auf Version 2.0 eingehen, die beiden Versionen vergleichen und Ihre strategischen Optionen als Unternehmen beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
Die Grundlage der SBTi bildet etwas, das auf den ersten Blick einfach erscheint, in der Praxis jedoch oft komplexer ist: eine zuverlässige und umfassende CO₂-Bilanz. Denn ohne ein klares Verständnis Ihrer Emissionen können Sie keine glaubwürdigen Reduktionsziele festlegen.
Ausgangspunkt ist daher stets ein Treibhausgasinventar. Gemäß SBTi V1.3.1 bedeutet dies, dass Sie mindestens 95 % Ihrer Scope-1- und Scope-2-Emissionen erfassen müssen – also Emissionen aus Ihrem eigenen Betrieb und Ihrem Energieverbrauch. Darüber hinaus wird von Ihnen erwartet, dass Sie ein vollständiges Scope-3-Inventar erstellen, d. h. alle relevanten Emissionen in Ihrer Wertschöpfungskette erfassen, von eingekauften Waren über den Transport und die Nutzung bis hin zum Ende der Lebensdauer der Produkte. Zu diesem Zweck orientiert sich die SBTi an dem international anerkannten Standard: dem „GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard“.
Der Kern der SBTi liegt in den Zielen: konkrete, messbare Ziele zur Reduzierung Ihrer Emissionen im Einklang mit den Erkenntnissen der Klimawissenschaft. Dabei geht es nicht um ein einzelnes Ziel, sondern um ein schlüssiges Zielsystem mit klaren Vorgaben dazu, was Sie in welchen Bereichen Ihres Unternehmens in welchem Tempo reduzieren müssen.
Kurzfristige und langfristige Ziele: Die SBTi unterscheidet stets zwischen zwei Arten von Zielen. Kurzfristige Ziele konzentrieren sich auf die nächsten 5 bis 10 Jahre und erfordern sofortiges Handeln. Langfristige Ziele geben die Richtung bis zum Jahr 2050 vor, mit dem Ziel einer Emissionsreduktion um 90 % entlang der gesamten Lieferkette. Die verbleibenden 10 % der Emissionen müssen durch dauerhafte CO₂-Entfernung ausgeglichen werden, um letztendlich Netto-Null zu erreichen.
Welche Emissionen werden berücksichtigt? Scope 1 und 2 (eigene Betriebsabläufe und Energieverbrauch) sind stets erforderlich und müssen zu mindestens 95 % erfasst werden. Scope 3 – Emissionen in Ihrer Wertschöpfungskette – sind erforderlich, sobald sie einen wesentlichen Anteil (40 % oder mehr) Ihres gesamten CO₂-Fußabdrucks ausmachen. Dazu gehören eingekaufte Waren, Transport sowie die Nutzung Ihrer Produkte.
Wie misst man das? Man kann Emissionen in absoluten Zahlen reduzieren (zum Beispiel „-42 % CO₂ bis 2030“) oder Intensitätsziele pro Produktionseinheit verwenden. Absolute Ziele sind am weitesten verbreitet, da sie direkt mit den Auswirkungen auf das Klima verbunden und am besten vergleichbar sind. Intensitätsziele werden häufig von schnell wachsenden Unternehmen verwendet, erfordern jedoch spezifischere Methoden. Darüber hinaus gelten für bestimmte Sektoren wie Energie, Verkehr und Bauwesen spezifische Methoden und Ambitionsniveaus.
Neben der Festlegung von Zielen erwartet die SBTi von den Unternehmen, dass sie sich auch Gedanken darüber machen, wie diese umgesetzt werden sollen. In Version 1.3.1 ist ein Übergangsplan zwar noch nicht verpflichtend, wird jedoch dringend empfohlen. In der Praxis ist es jedoch schwierig, ohne einen solchen Plan glaubhaft darzulegen, wie die Ziele erreicht werden sollen. Aus diesem Grund wird ein Übergangsplan in Version 2.0 verpflichtend sein.
Ein guter Transformationsplan legt dar, wie eine Organisation ihre Emissionen konkret reduzieren wird. Dazu gehören konkrete Maßnahmen wie die Verbesserung der Energieeffizienz, eine nachhaltigere Beschaffung oder die Anpassung von Prozessen. Darüber hinaus gibt er Aufschluss darüber, wie die Zuständigkeiten innerhalb der Organisation verteilt sind und wie die Entscheidungsfindung in Bezug auf Klimaziele gesteuert wird. Auch der finanzielle Aspekt spielt eine wichtige Rolle: Unternehmen zeigen auf, wie Investitionen und Kosten zur Erreichung der Ziele beitragen.
Neben der Festlegung von Zielen und der Erstellung von Plänen fordert die SBTi auch Transparenz. Unternehmen müssen ihre Ziele und Fortschritte offenlegen, damit Kunden, Investoren und andere Interessengruppen überprüfen können, ob sie tatsächlich auf Kurs sind.
In der Praxis bedeutet dies, dass genehmigte Ziele innerhalb von sechs Monaten veröffentlicht werden müssen. Darüber hinaus wird von den Unternehmen erwartet, dass sie jährlich über ihre Emissionen und ihre Fortschritte bei der Erreichung ihrer Ziele berichten. In diesen Berichten müssen das gewählte Basisjahr, die angestrebten Reduktionsprozentsätze sowie die Entwicklung der Emissionen in den Bereichen Scope 1, 2 und 3 klar angegeben werden.
Wenn Sie heute gefragt werden, ob Sie „SBTi-konform“ sind, ist das kein Zufall. Für immer mehr Unternehmen wird dies zum neuen Standard in der Lieferkette. Kunden und Lieferkettenpartner wollen nicht nur sehen, dass Sie etwas gegen CO₂ unternehmen, sondern auch, wie Sie dabei vorgehen und ob dies mit international anerkannten Standards im Einklang steht.
Der erste praktische Schritt ist daher ganz einfach: Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Emissionen in allen Bereichen. Ohne diese Grundlage können Sie nicht feststellen, ob die SBTi für Sie relevant ist, geschweige denn, diese einhalten.
Gleichzeitig ist es wichtig, realistisch zu bleiben. SBTi V1.3.1 ist für viele Organisationen erreichbar, erfordert jedoch systematische Arbeit: von der Datenerhebung über die Zielsetzung bis hin zur jährlichen Berichterstattung. Es handelt sich nicht um eine einmalige Maßnahme, sondern um einen fortlaufenden Prozess, der kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert.
Abschließend möchte ich sagen: Das ist erst der Anfang. Mit der Einführung von SBTi V2 werden die Anforderungen deutlich erhöht und detaillierter gestaltet. Wir werden im nächsten Beitrag näher darauf eingehen. Sie können auch an unserem Webinar „Sustainable Dialogue“ am 23. September teilnehmen. Melden Sie sich über den Link an.